13.12.2017, 02:41 Uhr » Prävention

Nicht jeder Sicherheitsschalter eignet sich für jede Anwendung

Er muss stimmen

Ein schwerer Unfall eines Anlagenbedieners ist Anlass, die richtige Auswahl und regelmäßige Prüfung von Sicherheitsschaltern/Positionsschaltern zu thematisieren. Zu dem Unfall kam es, weil der Sicherheitsschalter ausgefallen war. Verschmutzungen waren unbemerkt in den Schalter eingedrungen und hatten mechanische Teile zerstört. Das verwendete Modell war für die dortigen Umgebungsbedingungen nicht geeignet.


Anlagenbediener B. hatte alles richtig gemacht, als er den Teigmischer reinigen wollte: Als Erstes hatte er den Mischer am Schalttableau ausgeschaltet. Dann erst hob er den Schutzdeckel an, der durch einen Sicherheitsschalter gesichert war. Doch dann geschah, was eigentlich nicht möglich sein sollte: Das Rührwerk setzte sich unvermittelt in Bewegung. Die Knethaken erfassten B.s linke Hand inklusive Unterarm, zogen sie ein und quetschten sie. Er erlitt schwere Brüche, Schnittverletzungen und Quetschungen an Hand und Unterarm. Ein Finger musste amputiert werden.

Warum es zu dem Unfall kommen konnte

Die Unfalluntersuchung ergab: Der Sicherheitsschalter hatte den Stromkreis der Antriebssteuerung beim Öffnen des Deckels nicht wie vorgesehen unterbrochen – obwohl der Betätiger aus dem Schalter gezogen worden war. Ein Kollege, der nicht wusste, dass B. gerade die Maschine reinigte, hatte sie eingeschaltet. Aufgrund des defekten Schalters lief sie an. Es stellte sich heraus, dass der Schalter für den Einsatz unter den dort vorherrschenden Umgebungsbedingungen nicht geeignet war.

In die Öffnung für den Betätiger konnte mit der Zeit immer wieder Mehlstaub eindringen. Die eingedrungenen Verschmutzungen führten im Innern des Schalters schließlich dazu, dass der Betätiger aus dem Schalter gezogen werden konnte, ohne dass das vorgesehene Abschaltsignal erzeugt wurde. Eine regelmäßige Sicht- und Funktionsprüfung des Schalters hatte nicht stattgefunden.

Welcher Schalter für welchen Einsatz?

Bei Sicherheitsschaltern unterscheidet man zwei Technologieformen: elektromechanische Positionsschalter und Näherungsschalter. Bei elektromechanischen Positionsschaltern wird der Schaltvorgang mechanisch eingeleitet, wenn der Betätiger bewegt wird. Bei Näherungsschaltern geschieht dies ohne mechanischen Kontakt zwischen Betätiger und Schalter. Hier erkennen Sensoren im Schalter den Betätiger. Dies geschieht meist auf magnetischer Basis oder mittels Funktechnologie (RFID). Sowohl elektromechanische Positionsschalter als auch Näherungsschalter können einen unkodierten bzw. kodierten Betätiger haben, sodass es insgesamt vier Bauarten von Schaltern gibt. Eine Übersicht enthält die Tabelle.

Die Bauart spielt bei der Auswahl einer Verriegelungseinrichtung, deren Hauptbestandteil der Sicherheitsschalter ist, eine entscheidende Rolle. DieAuswahl erfolgt auf der Grundlage einer Risikobeurteilung an der abzusichernden Gefahrenstelle. Hierbei ist auch die mechanische Beanspruchung des Schalters zu beachten.

Eine übermäßige Beanspruchung führt zu Beschädigungen, die die Funktion des Schalters negativ beeinflussen können. So dürfen Sicherheitsschalter nicht als mechanischer Anschlag für bewegliche Schutzeinrichtungen verwendet werden. Bei der Wahl des richtigen Schalters müssen auch unbedingt die zu erwartenden betrieblichen Umgebungsbedingungen berücksichtigt werden. Dazu gehören Einflüsse wie Temperatur, Staub, Feuchtigkeit, Korrosion durch Salze, Säuren oder Laugen, Schwingungen und Stöße, mechanische Festigkeit sowie elektromagnetische Einflüsse. Die Schalter müssen allen vorhersehbaren Umgebungseinflüssen während ihrer Lebensdauer standhalten.

Auch die Schutzart des Schalters spielt eine wichtige Rolle, also der Schutz gegen das Eindringen von festen Fremdkörpern und Flüssigkeiten in das Gehäuse. Für bestimmte Umgebungsbedingungen sind Mindestschutzgrade normativ festgelegt. Die Kennzeichnung der Schutzart erfolgt über die Buchstaben IP und zwei Kennziffern, z. B. IP 56.

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