21.08.2017, 19:31 Uhr » Prävention
Kleingewerbliches BHKW mit verkleideter Verrohrung
Kleingewerbliches BHKW mit verkleideter Verrohrung

Defekte Heizungsanlage führt in zwei Fällen zu Massenunfall

Wehe, wenn sie undicht werden

In zwei Hotels ereignete sich jeweils 2016 ein Massenunfall, bei dem Gäste, Mitarbeiter und in einem Fall auch Rettungskräfte teilweise schwere Kohlenmonoxidvergiftungen erlitten. Beide Unfälle haben die gleiche Ursache: eine augenscheinlich nicht erkennbare Leckage in der Abgasführung des Blockheizkraftwerks (BHKW). Mit welchen Präventionsmaßnahmen können Betreiber kleingewerblicher BHKW-Anlagen solche Unfälle verhindern?


Januar 2016: Ein Gast hatte über Unwohlsein und Kopfschmerzen geklagt. Am nächsten Tag wurde er bewusstlos in seinem Zimmer aufgefunden. Giftiges Kohlenmonoxid (CO) hatte sich vom Blockheizkraftwerk im Keller aus mit der Atemluft im gesamten Hotelgebäude verteilt. Insgesamt erlitten 27 Gäste, Rettungskräfte und Mitarbeiter eine teilweise schwere Kohlenmonoxidvergiftung.

Oktober 2016: In einem weiteren Hotelbetrieb ereignete sich ebenfalls ein CO-Massenunfall mit 19 Verletzten. Das aktive Lüftungssystem brachte das toxische Gas bis in den Wellnessbereich und vergiftete drei Menschen bis zur Bewusstlosigkeit. Die Rettungskräfte erhielten durch Messung der Sauerstoffsättigung Hinweise auf eine CO-Vergiftung.

Arbeitsplatzgrenzwert mehr als zwanzigfach überschritten
In diesem Hotelgebäude lag der gemessene Wert mehr als das Zwanzigfache über dem höchstzulässigen Arbeitsplatzgrenzwert (AGW). Das Großaufgebot der Feuerwehr evakuierte alle Personen aus den Räumlichkeiten; der Rettungsdienst versorgte die Verletzten. Sie wurden stationär aufgenommen und zum Teil intensiv medizinisch behandelt. Das gesamte Gebäude wurde druckbelüftet, d. h. das CO wurde mit Frischluft aus dem Gebäude gedrückt.

Druckschwankungen und Vibrationen führten zu undichten Leitungsabschlüssen
Die Unfallursache war in beiden Fällen die Gleiche. Die Anlagen befanden sich im Standardbetrieb. Durch eine nicht augenscheinlich erkennbare Leckage in der Abgasführung vermischten sich die Abgase mit der Frischluft im Gebäude. Durch jahrelang einwirkende Druckschwankungen und Vibrationen an den Blockheizkraftwerken waren die Leitungsabschlüsse undicht geworden. Das CO, das etwas leichter als Atemluft und zudem geruchlos und geschmacklos ist, verteilte sich im gesamten Gebäude. Die Staatsanwaltschaft nahm in beiden Fällen die Ermittlungen auf.

… die nicht feststellbar waren
Die Begutachtung der Unfallorte und die vorhandenen Prüf- und Wartungsunterlagen des Schornsteinfegers und der Wartungsfirma ergaben im ersten Schritt keine Auffälligkeiten. Die sachgerechte Aufstellung der Anlagen hatte eine Fachfirma durchgeführt und protokolliert. Der Unternehmer hatte die Vorschriften und auch die Vorgaben des Herstellers für Prüfungen und Wartungen berücksichtigt und durchgeführt. Es bestanden jedoch keine Hinweise auf Undichtigkeiten. Wie lassen sich solche Unfälle verhindern?

Präventionsmaßnahmen
Ratsam ist eine kontinuierliche Überwachung der Raumluft im Aufstellungsraum der Heizungsanlage – durch ein fachkundig installiertes CO-Gaswarngerät mit akustischem und optischem Signal bei Überschreitung der Grenzwerte. Die gesetzlichen Vorgaben berücksichtigen derzeit noch nicht das aktuelle Unfallgeschehen. So werden beim Betrieb kleingewerblicher BHKW-Anlagen keine CO-Mess- bzw. Warnsysteme für den Aufstellungsraum verlangt.

Zusätzlich zur Raumluftüberwachung mit einem CO-Mess- bzw. Warnsystem sind folgende Maßnahmen ratsam:
→ Weiterleitung des Signals an verantwortliche Personen und gegebenenfalls Aufschaltung des Signals auf die Brandmeldeanlage
→ Querlüftung des Aufstellungsortes bzw. der Räumlichkeiten, in denen die Abgasführung auch noch verläuft
→ Gegebenenfalls zusätzlich Handmessgeräte zur orientierenden Messung für bestimmte Beschäftigte (z. B. Hausmeister, technische Leiter)
→ Vorbeugende Instandhaltungsstrategie, d. h. regelmäßige Wartung vorsehen mit Austausch der Dichtungen, Überprüfung der Dichtheit der Schraubverbindungen und Kompensatoren
→ Notfallplanung CO und Unterweisung der Beschäftigten über die CO-Gefahr und richtiges Verhalten bei einsetzendem Warnsignal
→ Überprüfung der Gefährdungsbeurteilung im Hinblick auf mögliche CO-Gefahr (auch bei anderen Verbrennungsanlagen mit fossilen Brennstoffen wie Heizgeräte, Grills, Terrassenheizstrahler).

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